Die Landkarte ist nicht das Gebiet
"Das habe ich doch gar nicht so gemeint.“

Definition:
Gruppendynamik (oft synonym als Teamdynamik verwendet) bezeichnet das komplexe Geflecht aus wechselseitigen Beziehungen, Kräften und Verhaltensmustern, die innerhalb einer Gruppe wirken. Sie beschreibt die Art und Weise, wie die Mitglieder aufeinander reagieren und wie sich daraus eine übergeordnete „Gruppenidentität“ formt, die das Verhalten des Einzelnen maßgeblich beeinflusst.
Erklärung:
Aus systemischer Perspektive ist ein Team mehr als die Summe seiner Mitglieder. Sobald Menschen zusammenkommen, entsteht ein Feld von Kräften, das oft unter der Oberfläche agiert. Klaus Eidenschink betont in diesem Zusammenhang, dass Dynamiken in Gruppen häufig dazu dienen, die Ambivalenz zwischen individueller Autonomie und kollektiver Zugehörigkeit zu regulieren (Quelle: Metatheorie der Veränderung).
Eine zentrale These von Eidenschink ist, dass Gruppen dazu neigen, ungelöste Spannungen in Rollen auszulagern – etwa in den „Sündenbock“ oder den „Retter“. Diese Dynamiken sind oft unbewusste Versuche des Systems, Stabilität zu wahren, auch wenn sie die Leistungsfähigkeit behindern. Führung bedeutet hier nicht, die Dynamik zu unterdrücken, sondern sie lesbar zu machen. Erst wenn die verdeckten Muster benannt werden, verliert die Dynamik ihren zwanghaften Charakter und das Team gewinnt seine Handlungsfreiheit zurück.
Typische Merkmale:
Rollenverteilung: Formale Positionen und informelle Rollen (z. B. der Mahner, der Antreiber) ergänzen oder widersprechen sich.
Normenbildung: Die Gruppe entwickelt eigene, oft ungeschriebene Gesetze darüber, was „erlaubt“ ist und was nicht.
Kohäsion vs. Abgrenzung: Das Spannungsfeld zwischen dem Wir-Gefühl und der Ausgrenzung von Andersdenkenden.
Phasenverlauf: Dynamiken verändern sich zyklisch (z. B. Orientierung, Konflikt, Strukturierung, Leistung).
Beispiel aus der Praxis:
In einem Management-Team herrscht oberflächliche Harmonie, doch Entscheidungen werden nie konsequent umgesetzt. Die systemische Analyse zeigt eine Dynamik der „Konfliktvermeidung“: Um die Zugehörigkeit nicht zu gefährden, werden kritische Themen in informelle Gespräche nach dem Meeting verlagert. Die Gruppe schützt sich so vor der (nach Eidenschink) gefürchteten „Enttäuschung“ durch offene Konfrontation.
Coaching-Impulse:
Welche Rolle nehme ich in diesem Team gewohnheitsmäßig ein und welche anderen Rollen wären zur Lösung unseres Problems eigentlich nötig?
Wenn unser Team ein Theaterstück wäre: Welchen Titel trüge die aktuelle Szene und wer spielt den Antagonisten?
Was müsste ausgesprochen werden, damit die aktuelle Dynamik ihre Notwendigkeit verliert?
Verwandte Begriffe:
→ Psychologische Sicherheit, Rollenklärung, Systemische Schleifen, Konflikt, Teamentwicklung
"Das habe ich doch gar nicht so gemeint.“
Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag ist frei von Werbezwecken oder Kooperationen. Es handelt sich um eine rein persönliche Empfehlung aus meiner Praxis für Ihre Praxis.
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Bild: DS stories/pexels
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