"Bin ich unsichtbar?"

Die Folgen von sozialer Ausgrenzung am Arbeitsplatz

Fast jeder kennt das Gefühl, irgendwo nicht dazuzugehören – ob in der Schule, im Freundeskreis oder eben im Berufsleben. Besonders für neue Kollegen kann das richtig belastend sein. Denn wenn man im Team nicht willkommen geheißen wird, kann das Selbstzweifel, Stress und eine Menge Unsicherheit auslösen. Aber was genau passiert psychologisch, wenn jemand ausgeschlossen wird?

 

Neue Mitarbeiter einbinden

Die emotionale Seite – Zweifel und Stress

Wer das Gefühl hat, nicht akzeptiert zu werden, fängt oft an, an sich selbst zu zweifeln. Gedanken wie „Habe ich etwas falsch gemacht?" oder „Warum mögen die mich nicht?" sind ganz typisch. Das wiederum kann die eigene Motivation und das Selbstbewusstsein enorm beeinflussen.

Zusätzlich kommt noch der Stressfaktor dazu. Wir Menschen sind soziale Wesen – wenn uns der Anschluss an eine Gruppe verwehrt bleibt, kann das echten Druck verursachen. Man fühlt sich allein, unsicher und manchmal sogar hilflos und der Situation ausgeliefert.

Wie wirkt sich das auf das Arbeiten aus?

Wer nicht ins Team integriert ist, kann schnell das Gefühl bekommen, einfach nur „da" zu sein, ohne wirklich Teil des Ganzen zu sein. Das kann dazu führen, dass man sich zurückzieht, weniger engagiert ist oder sogar demotiviert wird. Langfristig leidet darunter nicht nur die eigene Leistung, sondern oft auch das ganze Teamklima. Im schlechtesten Fall entscheidet ein kürzlich neu eingestelltes Teammitglied, dass die Kündigung die einzige Lösung ist.

Warum passiert das überhaupt?

Oft läuft Ausgrenzung nicht absichtlich ab. Die bestehenden Kollegen haben ihre Routinen, eingespielte Abläufe und vielleicht enge Freundschaften untereinander. Da kann es unbewusst passieren, dass ein neuer Mitarbeiter außen vor bleibt – nicht immer aus böser Absicht, sondern manchmal einfach aus Gewohnheit.

Manchmal haben "die Alten" auch Sorgen um Ihren Arbeitsplatz - insbesondere, wenn kurz nach Antritt "der Neuen" ein Rückgang der Auftragslage zu verzeichnen ist. In solchen Fällen kann ernsthafter Konkurrenzdruck entstehen, der Ängste und Unsicherheiten verschärft.

Was kann man dagegen tun?

Damit sich jeder willkommen fühlt (und auch wirklich ist), braucht es eine offene Unternehmenskultur und kleine Gesten der Integration. Hier ein paar Ansätze:

 

  • Offene Kommunikation fördern: Der erste Schritt ist, eine Kultur des offenen Dialogs zu etablieren. Mitarbeitende sollten sich sicher fühlen, ihre Sorgen oder Erfahrungen zu teilen – sei es direkt mit der Führungskraft oder in vertraulichen Gesprächen.

 

  • Teamintegration aktiv steuern: Besonders bei neuen Kollegen ist es wichtig, ihre Eingliederung bewusst zu begleiten. Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten, Team-Meetings oder Mentoring-Programme können helfen, den Einstieg zu erleichtern.

 

  • Unbewusste Dynamiken erkennen: Oft geschieht Ausgrenzung nicht absichtlich, sondern aus festgefahrenen Routinen oder Gruppenmechanismen. Führungskräfte sollten darauf achten, ob bestimmte Mitarbeitende häufig ausgeschlossen werden, und gezielt dagegen steuern.

 

  • Klare Werte und Regeln etablieren: Eine Unternehmenskultur, die Wert auf Respekt, Zusammenarbeit und Diversität legt, macht Ausgrenzung weniger wahrscheinlich. Das kann durch Leitlinien, Workshops oder Schulungen unterstützt werden.

 

  • Empathie zeigen und Konflikte moderieren: Wenn eine Person sich ausgegrenzt fühlt, ist es wichtig, mit ihr zu sprechen und mögliche Ursachen zu verstehen. Gezielte Interventionen – etwa ein klärendes Gespräch mit dem Team – können helfen, Spannungen abzubauen.

 

  • Vorbildfunktion übernehmen: Führungskräfte sollten selbst vorleben, wie ein respektvoller Umgang aussieht. Ein wertschätzendes Verhalten gegenüber allen Teammitgliedern setzt ein klares Signal und kann das gesamte Arbeitsklima positiv beeinflussen.

 

All dies (und mehr) sollte vorallem regelmäßig erfolgen, denn eine Veränderung des Betriebsklimas erfolgt nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit, Konsequenz und Ausdauer.

Niemand sollte sich am Arbeitsplatz wie ein Außenseiter fühlen. Ein respektvoller, offener Umgang kann viel bewirken – für den Einzelnen , für das ganze Team und für das Unternehmen.


1. Welche psychologischen Folgen hat soziale Ausgrenzung?

Wenn der Anschluss ans Team fehlt, reagieren wir Menschen hochempfindlich. Es entstehen oft tiefe Selbstzweifel und Gedanken wie „Was stimmt mit mir nicht?“. Da wir soziale Wesen sind, löst Isolation echten Stress aus, der das Selbstwertgefühl mindert und auf Dauer zu Hilflosigkeit führen kann.

2. Wie beeinflusst Ausgrenzung die Arbeitsleistung?

Wer sich nicht zugehörig fühlt, zieht sich unbewusst zurück. Das Engagement sinkt, die Motivation lässt nach und die Fehlerquote kann steigen. Im schlimmsten Fall führt dieser Zustand zur inneren oder tatsächlichen Kündigung, was nicht nur dem Einzelnen schadet, sondern das gesamte Teamklima und die Produktivität des Unternehmens belastet.

3. Warum entsteht Ausgrenzung oft unbewusst?

Häufig steckt keine böse Absicht dahinter. Eingespielte Teams haben feste Routinen und private Bindungen, in die sich Neue anfangs schwer hineindenken können. Manchmal spielen auch Existenzängste der „alteingesessenen“ Kollegen eine Rolle, wenn etwa durch eine sinkende Auftragslage Konkurrenzdruck entsteht.

4. Was können Führungskräfte konkret tun?

Führungskräfte tragen die Verantwortung für die Integration. Wichtige Hebel sind:

Aktives Onboarding: Mentoring-Programme und bewusste Teamevents erleichtern den Einstieg.

Offener Dialog: Schaffen Sie einen sicheren Raum für Sorgen und Feedback.

Werte vorleben: Respekt und Inklusion müssen von oben vorgelebt werden, um zur echten Unternehmenskultur zu werden.

5. Wie gelingt eine langfristige Veränderung des Betriebsklimas?

Ein gutes Miteinander entsteht nicht über Nacht. Es erfordert Ausdauer und Konsequenz. Regelmäßige Interventionen, das Erkennen unbewusster Dynamiken und eine stetige Kommunikation sind notwendig, damit aus einer Gruppe von Einzelkämpfern ein echtes Team wird.

Themen: Ausgrenzung am Arbeitsplatz, neu im Team, guter Start bei Jobwechsel, Mobbing am Arbeitsplatz