Buchrezension: Schwierige Menschen am Arbeitsplatz erschienen im Springer Verlag

Strategien für den Umgang mit
herausfordernden Persönlichkeiten

Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag ist frei von Werbezwecken oder Kooperationen. Es handelt sich um eine rein persönliche Empfehlung aus meiner Praxis für Ihre Praxis.

Vermutlich kennt es fast jeder Arbeitgeber und Mitarbeiter: Ein ungelöster Konflikt, ein missverstandenes Wort oder jemand, der im Team ständig für Unruhe sorgt – das kostet unheimlich viel Energie. 

Im Urlaub hatte ich die Gelegenheit das Buch „Schwierige Menschen am Arbeitsplatz“ von Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzki unter die Lupe zu lesen. Die beiden Autoren arbeiten selbst als Coaches und Berater. Sie zeigen sehr praxisnah, wie man im Berufsalltag die Nerven behält und handlungsfähig bleibt.

Der rote Faden: Ein Blick auf die Struktur des Buches

Wie die Autoren das Thema systematisch aufschlüsseln, zeigt ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis. Das Buch ist in fünf große, logisch aufeinander aufbauende Kapitel unterteilt, die uns Schritt für Schritt von der Diagnose zu Lösungsmöglichkeiten führen:

  1. Toxiker?! – Zu Beginn auf den Punkt gebracht: Der Einstieg in die Definition schwieriger Persönlichkeiten.

  2. Schleichendes Gift: Wenn das Arbeitsumfeld schleichend zur Belastung wird und wie sich toxische Dynamiken auf Kollegen, Führungskräfte und das gesamte Unternehmen auswirken.

  3. Toxiker – Was treibt ihn?: Eine tiefe psychologische Analyse der Motive und der Phasen, in denen Manipulation stattfindet.

  4. Entgiften Sie Ihren Arbeitsplatz: Konkrete und erfolgversprechende Handlungsstrategien für den Umgang mit unangenehmen Situationen.

  5. Toxische Konstellationen: Ein spannender Blick auf Branchen, in denen diese Dynamiken besonders häufig vorkommen (wie Politik, Medien oder das Finanzwesen), und was wir paradoxerweise sogar von Toxikern lernen können.

Vorstellung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale: Die Dunkle Triade

Um zu verstehen, warum manche Menschen den Arbeitsalltag so massiv belasten, werfen die Autoren im dritten Kapitel einen Blick in die Persönlichkeitspsychologie. Das Buch bezieht sich dabei zentral auf das Konzept der sogenannten „Dunklen Triade“. Damit wird eine Kombination aus drei Charaktereigenschaften beschrieben: Narzissmus (extreme Selbstbezogenheit und Geltungsdrang), Machiavellismus (manipulatives Verhalten zur Durchsetzung eigener Ziele) und subklinische Psychopathie (ein Mangel an Mitgefühl und Reue). Wenn diese Eigenschaften im Berufsleben aufeinandertreffen, sprechen die Autoren vom klassischen „Toxiker“ – also Menschen, die das Umfeld bewusst oder unbewusst ausbremsen, manipulieren und das Klima vergiften.

Die wichtigste Botschaft des Buches lautet: Aussitzen bringt nichts. Solche Dynamiken lösen sich selten von alleine auf. Sie kosten das Unternehmen Geld und machen das Team auf Dauer unglücklich oder im schlimmsten Fall krank. Es geht also darum, diese Muster rechtzeitig zu erkennen und aktiv gegenzusteuern.

Drei konkrete Ansätze für die Praxis

Im vierten Kapitel, dem großen Praxisteil, liefert das Buch handfeste Strategien nach dem bekannten Dreiklang „Love it, change it or leave it“. Drei Punkte sind mir dabei besonders aufgefallen:

  • Das Verhalten entpersonalisieren: Wenn Sie verstehen, warum jemand so agiert, fällt es leichter, das Ganze nicht persönlich zu nehmen. Es geht um die Muster des anderen, nicht um Sie.

  • Klare Grenzen setzen: Manipulativen Verhaltensweisen entzieht man am besten den Nährboden, indem man sachlich und unmissverständlich Stopp sagt. Das braucht Mut, ist aber der einzige Weg heraus aus der Passivität.

  • Die eigene Rolle hinterfragen: Das Buch regt auch dazu an, sich selbst zu reflektieren. Wie reagiere ich auf solche Menschen? Wo kann ich meine eigene Gelassenheit und Resilienz stärken, um gar nicht erst in eine Opferrolle zu geraten?

Prävention vor Toxikern: Warum Kultur der beste Schutz ist

Ein extrem wertvoller Gedanke der Autoren betrifft das Umfeld selbst, den sie unter dem Aspekt der Prävention beleuchten. Die Stimmung im Team entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Toxiker überhaupt eine Chance hat.

Ein starkes, gesundes Betriebsklima wirkt wie ein Immunsystem. Wenn im Team Offenheit, Vertrauen und psychologische Sicherheit herrschen, finden manipulative Verhaltensweisen kaum Nährboden. Toxiker werden dann quasi automatisch vertrieben oder passen sich an, weil sie keine Angriffsfläche finden.

Umgekehrt gilt leider dasselbe: Ein ohnehin geschwächtes, von Misstrauen und ungeklärten Konflikten geprägtes Klima zieht toxische Dynamiken förmlich an und bietet ihnen den perfekten Raum zur Entfaltung. Als Führungskraft oder Team haben Sie es also selbst in der Hand – eine gute Kultur ist der beste Schutz! Es lohnt sich also, in die Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Kollegen zu investieren. 

Was Sie für Ihren Führungsalltag mitnehmen können

Wenn Sie Teams leiten oder Personalverantwortung tragen, sind diese drei Impulse besonders wertvoll:

  1. Hinschauen statt wegschauen: Sobald Sie merken, dass die Stimmung kippt oder unterschwellige Konflikte schwelen, sollten Sie das Gespräch suchen. Je länger man wartet, desto verhärteter werden die Fronten.

  2. Sachlich bleiben: Wer sich auf emotionale Spiele einlässt, verliert die Kontrolle über die Situation. Ruhige, faktenbasierte Kommunikation ist hier das beste Werkzeug.

  3. Strukturen schärfen: Manchmal hilft es schon, Zuständigkeiten und Kommunikationsregeln im Team noch einmal ganz unmissverständlich zu definieren. Das nimmt schwierigen Dynamiken den Raum.

Mein Fazit

Das Buch von Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzki ist ein toller Leitfaden für den Umgang mit schwierigen Menschen am Arbeitsplatz. Es holt den Leser genau dort ab, wo der Frust im Job oft entsteht, und zeigt konkrete, strukturierte Auswege.

Eine absolute Leseempfehlung für alle Führungskräfte und Angestellten, die sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Häufige Fragen zum Umgang mit schwierigen Kollegen


1. Was versteht man unter der „Dunklen Triade“ im Berufsalltag?

Unter der Dunklen Triade versteht man die Kombination aus drei Persönlichkeitsmerkmalen: Narzissmus (extreme Selbstbezogenheit), Machiavellismus (rücksichtsloses, manipulatives Verhalten) und Psychopathie (Mangel an Mitgefühl). Menschen, bei denen diese Eigenschaften stark ausgeprägt sind, werden im Berufsalltag oft als „Toxiker“ wahrgenommen, da sie das Arbeitsklima massiv vergiften.

2. Wie erkenne ich toxisches Verhalten am Arbeitsplatz rechtzeitig?

Toxisches Verhalten beginnt oft schleichend. Typische Warnsignale sind eine plötzliche Zunahme von unterschwelligem Streit, das Entstehen von Lagern („Wir gegen die“), die gezielte Suche nach den Schwächen anderer und ein spürbarer Anstieg von psychosozialem Stress im Team. Wenn Sie merken, dass die Arbeit Sie emotional auslaugt, sollten Sie genauer hinschauen.

3. Was kann ich tun, wenn mein Chef oder Kollege manipulativ ist?

Die wichtigste Regel lautet: Entpersonalisieren Sie das Verhalten. Machen Sie sich klar, dass die Angriffe meistens den Mustern des anderen geschuldet sind, nicht Ihrer Person. Setzen Sie sachlich, aber unmissverständlich klare Grenzen und dokumentieren Sie wichtige Absprachen schriftlich. Wenn der Aufwand zu groß wird, gilt das Prinzip „Love it, change it or leave it“.

4. Wie schützt ein gutes Betriebsklima vor toxischen Menschen?

Ein gesundes Betriebsklima funktioniert wie ein Immunsystem. Wenn im Team psychologische Sicherheit, Offenheit und Vertrauen gelebt werden, finden manipulative Verhaltensweisen einfach keinen Nährboden. Toxische Menschen passen sich in einer starken Kultur entweder an oder sie verlassen das Team wieder, weil sie keine Angriffsfläche für ihre Spielchen finden.

5. Wann sollten Führungskräfte bei Konflikten im Team eingreifen?

So früh wie möglich. Führungskräfte neigen manchmal dazu, schwieriges Verhalten auszusitzen, in der Hoffnung, dass sich die Situation von alleine beruhigt. Das Gegenteil ist der Fall: Je länger gewartet wird, desto verhärteter werden die Fronten. Ein schnelles, moderierendes Gespräch und das Schärfen von klaren Strukturen sind hier der beste Schutz für das gesamte Team.