Hohe Arbeitsbelastung


Definition:

Hohe Arbeitsbelastung entsteht, wenn berufliche Anforderungen über einen längeren Zeitraum viele körperliche, mentale oder emotionale Ressourcen beanspruchen. Dabei spielt nicht nur die Menge der Arbeit eine Rolle. Auch Zeitdruck, häufige Unterbrechungen, Verantwortung, Konflikte, geringe Handlungsspielräume oder fehlende Erholungsmöglichkeiten können als belastend erlebt werden.

Erklärung:

Eine hohe Arbeitsbelastung gehört in vielen Berufen zeitweise dazu. Projekte müssen abgeschlossen werden, personelle Engpässe entstehen oder bestimmte Zeiten bringen regelmäßig mehr Arbeit mit sich. Solche Phasen müssen nicht zwangsläufig problematisch sein, wenn anschließend wieder ausreichend Entlastung und Erholung möglich sind.

Schwieriger wird es, wenn aus einer arbeitsintensiven Phase ein dauerhafter Zustand entsteht.

Dabei lässt sich Arbeitsbelastung nicht allein an der Zahl der Arbeitsstunden ablesen. Zwei Menschen können unter vergleichbaren Bedingungen sehr unterschiedlich belastet sein. Neben den tatsächlichen Anforderungen beeinflussen auch Handlungsspielräume, Unterstützung, persönliche Ressourcen und die Möglichkeit zur Erholung, wie belastend eine Arbeitssituation erlebt wird.

Manchmal entsteht Belastung auch weniger durch die Arbeitsmenge als durch die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. Ständige Unterbrechungen, unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Erwartungen, Konflikte oder das Gefühl, trotz großer Anstrengung nie wirklich fertig zu werden, können psychisch erheblich beanspruchen.

Gleichzeitig versuchen viele Menschen, steigende Anforderungen zunächst durch mehr persönlichen Einsatz auszugleichen. Sie arbeiten schneller, verzichten auf Pausen oder beschäftigen sich nach Feierabend weiter mit ihren Aufgaben.

Damit kann eine strukturelle Überlastung zunehmend zu einem persönlichen Problem werden: Man fragt sich, weshalb man die Arbeit nicht mehr so gut bewältigt wie früher, obwohl sich möglicherweise vor allem die Bedingungen verändert haben.

Wie es sich zeigen kann:

Vielleicht beginnt der Arbeitstag bereits mit dem Gefühl, hinterherzuhinken. Während eine Aufgabe bearbeitet wird, kommen mehrere neue hinzu. Pausen werden verschoben und am Abend bleiben trotzdem Dinge offen.

Nach Feierabend ist die Arbeit zwar beendet, innerlich läuft sie jedoch weiter. Sie denken an unerledigte Aufgaben, bereiten den nächsten Tag gedanklich vor oder fragen sich, wie Sie das Pensum überhaupt schaffen sollen.

Mit der Zeit kann sich auch das Privatleben verändern. Sport, soziale Kontakte oder andere Aktivitäten werden reduziert, weil die Energie dafür fehlt. Das Wochenende wird zunehmend benötigt, um sich von der Arbeitswoche zu erholen.

Ein wichtiges Signal kann dabei sein, wenn immer mehr persönliche Ressourcen eingesetzt werden müssen, um ein Arbeitspensum zu bewältigen, das sich dauerhaft kaum noch bewältigbar anfühlt.

Typische Anzeichen:

• Ständiger Zeitdruck

• Gefühl, mit der Arbeit kaum noch fertig zu werden

• Regelmäßige Überstunden

• Pausen werden verkürzt oder fallen aus

• Schwierigkeiten, nach Feierabend abzuschalten

• Gedankliche Beschäftigung mit der Arbeit in der Freizeit

• Konzentrationsprobleme und zunehmende Fehler

• Gereiztheit und sinkende Belastbarkeit

• Erschöpfung nach dem Arbeitstag

• Weniger Energie für das Privatleben

• Gefühl, trotz großer Anstrengung nicht genug zu schaffen

Hohe Arbeitsbelastung entsteht häufig aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Deshalb lohnt es sich, nicht ausschließlich auf die eigene Belastbarkeit zu schauen, sondern auch auf Arbeitsmenge, Strukturen, Erwartungen und vorhandene Handlungsspielräume.

Beispiel aus dem Arbeitsalltag:

Eine Mitarbeiterin übernimmt nach dem Ausscheiden eines Kollegen vorübergehend zusätzliche Aufgaben. Zunächst gelingt ihr das gut. Aus der Übergangslösung werden jedoch mehrere Monate.

Sie beginnt früher zu arbeiten, lässt häufiger ihre Mittagspause aus und erledigt einzelne Aufgaben am Abend. Trotzdem wächst die Liste der offenen Punkte.

Nach einiger Zeit fragt sie sich, weshalb sie plötzlich so schlecht organisiert ist. Erst bei genauerer Betrachtung wird sichtbar, dass nicht ihre Organisation das eigentliche Problem ist. Sie versucht seit Monaten, ein dauerhaft erhöhtes Arbeitsvolumen durch persönlichen Einsatz auszugleichen.

Reflexionsimpulse:

• Was genau empfinde ich an meiner Arbeit momentan als belastend?

• Hat sich meine Arbeitsmenge oder meine Arbeitssituation in letzter Zeit verändert?

• Welche Anforderungen kann ich selbst beeinflussen und welche entstehen durch die Rahmenbedingungen?

• Welche persönlichen Ressourcen setze ich inzwischen ein, damit die Arbeit weiterhin funktioniert?

• Was fällt in meinem Privatleben zunehmend weg, weil mir dafür die Energie fehlt?

• Wann gelingt mir nach der Arbeit noch wirkliche Erholung?

• Würde ich meine aktuelle Arbeitsbelastung für einen begrenzten Zeitraum oder dauerhaft für tragfähig halten?

Verwandte Begriffe:

Arbeitsüberlastung

→ Beruflicher Stress

Dauerstress

Erschöpfung

Erholungsdefizit

Burnout

Funktionieren müssen

Grenzen setzen

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz