Grenzen setzen


Definition:

Grenzen setzen bedeutet, die eigenen Bedürfnisse, Werte und Belastungsgrenzen wahrzunehmen und gegenüber anderen angemessen zu vertreten. Dazu gehört auch, Nein zu sagen, Erwartungen nicht automatisch zu erfüllen und Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.

Erklärung:

Eigene Grenzen zu erkennen klingt zunächst selbstverständlich. Im Alltag zeigt sich jedoch häufig, dass Menschen sehr genau wahrnehmen, was andere von ihnen brauchen, während die eigenen Bedürfnisse erst spät Aufmerksamkeit bekommen.

Das kann im Beruf ebenso geschehen wie in Partnerschaften, Freundschaften oder innerhalb der Familie. Eine zusätzliche Aufgabe wird übernommen, obwohl eigentlich keine Kapazität mehr vorhanden ist. Eine Bitte wird erfüllt, obwohl innerlich Widerstand entsteht. Ein Konflikt wird vermieden, weil die Vorstellung unangenehm ist, jemanden zu enttäuschen.

Hinter Schwierigkeiten beim Grenzen setzen können unterschiedliche Erfahrungen und Überzeugungen stehen. Manche Menschen möchten als zuverlässig und hilfsbereit wahrgenommen werden. Andere haben gelernt, dass Harmonie besonders wichtig ist, oder verbinden ein Nein mit Egoismus und Schuldgefühlen.

Grenzen setzen beginnt deshalb häufig früher als beim ausgesprochenen Nein. Zunächst muss überhaupt wahrgenommen werden, dass eine persönliche Grenze erreicht oder überschritten wird.

Der Körper und die eigenen Gefühle geben dabei oft Hinweise. Gereiztheit, innere Anspannung, Erschöpfung oder wiederkehrender Ärger können darauf aufmerksam machen, dass wir häufiger zustimmen, obwohl etwas in uns längst widerspricht.

Wie es sich zeigen kann:

Vielleicht sagen Sie häufig spontan Ja und ärgern sich kurze Zeit später darüber.

Sie übernehmen Aufgaben, helfen anderen oder stehen zur Verfügung, obwohl Sie eigentlich Ruhe bräuchten. Wenn Sie einmal Nein sagen möchten, beginnen Sie sofort darüber nachzudenken, wie Ihr Gegenüber darauf reagieren könnte.

Manchmal wird dann ausführlich erklärt und gerechtfertigt, weshalb etwas gerade nicht möglich ist. Oder das Nein wird doch wieder zurückgenommen.

Nach außen wirken Sie vielleicht besonders hilfsbereit und verlässlich. Innerlich entsteht jedoch zunehmend das Gefühl, dass für die eigenen Bedürfnisse wenig Platz bleibt.

Gerade dieser leise Ärger kann interessant sein. Er richtet sich scheinbar gegen andere, erzählt manchmal aber auch etwas darüber, wo die eigene Grenze nicht ausgesprochen wurde.

Typische Anzeichen fehlender Abgrenzung:

• Schwierigkeiten, Nein zu sagen

• Häufiges Übernehmen zusätzlicher Verantwortung

• Schuldgefühle nach einer Absage

• Sorge, andere zu enttäuschen

• Eigene Bedürfnisse werden regelmäßig zurückgestellt

• Starke Orientierung an den Erwartungen anderer

• Rechtfertigungsdruck bei eigenen Entscheidungen

• Gereiztheit oder Frustration nach einer Zusage

• Gefühl, ständig für andere verfügbar sein zu müssen

• Erschöpfung durch zu viele Verpflichtungen

Grenzen müssen dabei nicht starr sein. Was heute zu viel ist, kann an einem anderen Tag problemlos möglich sein. Gesunde Abgrenzung bedeutet auch, die eigenen Ressourcen und die jeweilige Situation immer wieder neu wahrzunehmen.

Beispiel aus dem Alltag:

Eine Frau wird regelmäßig von einer Freundin um Unterstützung gebeten. Obwohl sie selbst gerade eine anstrengende Zeit erlebt, sagt sie fast immer zu. Ein Nein fühlt sich für sie egoistisch an.

Mit der Zeit bemerkt sie, dass sie zunehmend gereizt auf die Nachrichten ihrer Freundin reagiert. Zunächst ärgert sie sich über deren Erwartungen. Bei genauerer Betrachtung erkennt sie jedoch, dass sie selbst ihre Grenzen kaum kommuniziert hat.

Sie beginnt, nicht mehr unmittelbar zuzusagen, sondern zunächst zu prüfen, ob sie tatsächlich helfen möchte und genügend Kraft dafür hat.

Reflexionsimpulse:

• In welchen Situationen fällt es mir besonders schwer, Nein zu sagen?

• Woran merke ich, dass meine persönliche Grenze erreicht ist?

• Was befürchte ich, könnte passieren, wenn ich eine Bitte ablehne?

• Welche Verantwortung übernehme ich, obwohl sie eigentlich bei einem anderen Menschen liegt?

• Wo entsteht bei mir regelmäßig Ärger, obwohl ich zuvor selbst zugestimmt habe?

• Welche Grenze würde ich setzen, wenn ich mich dafür nicht rechtfertigen müsste?

Verwandte Begriffe:

Abgrenzung

→ Selbstfürsorge

Emotionale Selbstregulation

→ Selbstwert

→ Überforderung

Erschöpfung

→ Stress

→ Bedürfnisse

Mentale Gesundheit