
Arbeitsüberlastung
Definition:
Arbeitsüberlastung entsteht, wenn berufliche Anforderungen über einen längeren Zeitraum die verfügbaren zeitlichen, körperlichen oder psychischen Ressourcen eines Menschen übersteigen. Sie kann sowohl durch die Menge der Arbeit als auch durch Zeitdruck, hohe Verantwortung, emotionale Anforderungen oder fehlende Handlungsspielräume entstehen.
Erklärung:
Kurzfristige Phasen hoher Arbeitsbelastung gehören zu vielen Berufen und müssen nicht zwangsläufig gesundheitsschädlich sein. Kritischer wird es, wenn hohe Anforderungen zum Dauerzustand werden und ausreichende Möglichkeiten zur Erholung fehlen.
Arbeitsüberlastung kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein dauerhaft hohes Arbeitspensum, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit, häufige Unterbrechungen oder widersprüchliche Erwartungen können ebenso eine Rolle spielen wie der eigene Anspruch, möglichst alles zuverlässig und fehlerfrei erledigen zu wollen.
Mit zunehmender Dauer kann sich Überlastung körperlich und psychisch bemerkbar machen. Konzentration und Leistungsfähigkeit können nachlassen, während Gereiztheit, Schlafprobleme und Erschöpfung zunehmen. Manche Menschen versuchen zunächst, diese Entwicklung durch noch mehr Einsatz auszugleichen. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen, in dem immer weniger Erholung auf immer höhere Anstrengung trifft.
Typische Merkmale:
• Dauerhafter Zeit und Leistungsdruck
• Gefühl, mit der Arbeit nicht mehr fertig zu werden
• Schwierigkeiten, nach Feierabend abzuschalten
• Häufige Überstunden oder ständige Erreichbarkeit
• Gereiztheit und innere Unruhe
• Konzentrationsprobleme und zunehmende Fehler
• Schlafprobleme und Erschöpfung
Arbeitsüberlastung ist nicht ausschließlich eine Frage individueller Belastbarkeit. Auch Arbeitsorganisation, Führung, Personalausstattung und Unternehmenskultur beeinflussen, ob Anforderungen langfristig bewältigt werden können.
Beispiel aus der Praxis:
Eine Führungskraft übernimmt nach dem Ausscheiden eines Kollegen zusätzliche Aufgaben. Zunächst betrachtet sie die Situation als vorübergehend und versucht, das höhere Arbeitspensum durch längere Arbeitszeiten aufzufangen. Monate später arbeitet sie regelmäßig abends, schläft schlechter und kann auch am Wochenende kaum abschalten. In der Beratung werden sowohl die äußeren Arbeitsbedingungen als auch eigene Verantwortungsmuster, Prioritäten und Grenzen betrachtet.
Reflexionsimpulse:
• Welche Anforderungen belasten mich derzeit am stärksten?
• Welche Aufgaben übernehme ich, obwohl sie eigentlich nicht in meiner Verantwortung liegen?
• Wann gelingt es mir noch, wirklich von der Arbeit abzuschalten?
• Welche meiner eigenen Erwartungen erhöhen zusätzlich den Druck?
• Was müsste sich an meinen Arbeitsbedingungen verändern, damit die Belastung wieder tragbar wird?
Verwandte Begriffe:
→ Chronischer Stress
→ Burnout
→ Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz
→ Überforderung
→ Erschöpfung
→ Grenzen setzen
→ Work Life Balance