Jobstress
Definition:
Jobstress beschreibt das Erleben von Stress, der im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit entsteht. Auslöser können unter anderem eine hohe Arbeitsmenge, Zeitdruck, Verantwortung, Konflikte, ständige Erreichbarkeit oder fehlende Möglichkeiten zur Erholung sein.
Wie belastend berufliche Anforderungen erlebt werden, hängt dabei nicht allein von der Menge der Arbeit ab. Auch die vorhandenen Ressourcen, der eigene Handlungsspielraum und die persönliche Lebenssituation spielen eine Rolle.
Erklärung:
Stress im Beruf gehört für viele Menschen zeitweise zum Arbeitsleben. Eine wichtige Aufgabe muss abgeschlossen werden, mehrere Termine liegen dicht beieinander oder eine unerwartete Situation verlangt kurzfristig zusätzliche Aufmerksamkeit.
Solche Phasen können durchaus bewältigt werden. Belastender wird es häufig, wenn aus einzelnen stressigen Zeiten ein Zustand entsteht, der kaum noch unterbrochen wird.
Dabei kann Jobstress sehr unterschiedliche Ursachen haben.
Manche Menschen haben schlicht zu viel Arbeit. Andere erleben weniger die Arbeitsmenge als die ständigen Unterbrechungen, Konflikte oder widersprüchlichen Erwartungen als belastend. Auch geringe Gestaltungsmöglichkeiten oder das Gefühl, für vieles verantwortlich zu sein, aber nur wenig beeinflussen zu können, können Stress verstärken.
Bei Selbstständigen und Unternehmern kommen häufig weitere Faktoren hinzu. Verantwortung endet nicht unbedingt mit dem Feierabend. Entscheidungen über Mitarbeiter, Kunden, Aufträge oder die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens können gedanklich auch dann präsent bleiben, wenn eigentlich nicht gearbeitet wird.
Gleichzeitig entsteht leicht die Vorstellung, die Belastung selbst bewältigen zu müssen. Schließlich hat man sich für die Selbstständigkeit oder die Verantwortung entschieden.
Gerade dadurch kann Stress lange selbstverständlich erscheinen.
Wie es sich zeigen kann:
Vielleicht beginnt der Arbeitstag bereits im Kopf, bevor Sie überhaupt angefangen haben zu arbeiten.
Beim Frühstück werden die ersten Aufgaben durchgegangen. Während einer Tätigkeit denken Sie bereits an die nächsten drei. Nach Feierabend fällt Ihnen ein, was Sie noch erledigen wollten.
Auch freie Zeit fühlt sich nicht mehr vollständig frei an.
Das Smartphone bleibt erreichbar, eine Nachricht wird doch noch beantwortet und am Sonntag wandern die Gedanken bereits zu den Aufgaben der kommenden Woche.
Nach außen funktioniert vieles weiterhin. Sie erledigen Ihre Arbeit, treffen Entscheidungen und übernehmen Verantwortung.
Gleichzeitig fällt Ihnen möglicherweise auf, dass Sie schneller gereizt sind, schlechter abschalten können oder immer mehr Freizeit benötigen, um sich überhaupt wieder einigermaßen erholt zu fühlen.
Dann lohnt sich ein genauerer Blick darauf, ob der Stress noch aus einzelnen Belastungsspitzen besteht oder längst zum normalen Grundzustand geworden ist.
Typische Anzeichen:
• Schwierigkeiten, nach der Arbeit abzuschalten
• Häufiges gedankliches Beschäftigen mit beruflichen Themen
• Gefühl von ständigem Zeitdruck
• Innere Unruhe und Anspannung
• Zunehmende Gereiztheit
• Konzentrationsprobleme
• Regelmäßiges Arbeiten über die eigenen Grenzen hinaus
• Vernachlässigung von Pausen
• Weniger Energie für Freizeit und soziale Kontakte
• Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen
• Erholung stellt sich langsamer ein
• Arbeit nimmt gedanklich immer mehr Raum ein
Jobstress entsteht häufig aus einem Zusammenspiel zwischen äußeren Anforderungen und dem eigenen Umgang damit. Deshalb kann es hilfreich sein, beide Seiten getrennt zu betrachten. Manche Belastungen lassen sich durch persönliche Veränderungen beeinflussen. Andere entstehen aus Arbeitsbedingungen, Strukturen oder Verantwortlichkeiten und benötigen Veränderungen an anderer Stelle.
Beispiel aus dem Alltag:
Ein Selbstständiger hat sein Unternehmen über mehrere Jahre erfolgreich aufgebaut. Mit zunehmendem Erfolg wächst jedoch auch die Zahl seiner Aufgaben. Kunden erwarten schnelle Antworten, Mitarbeiter benötigen Entscheidungen und gleichzeitig muss das Tagesgeschäft weiterlaufen.
Er beginnt früher zu arbeiten und beantwortet abends noch Nachrichten. Am Wochenende versucht er, Dinge aufzuarbeiten, für die unter der Woche keine Zeit geblieben ist.
Lange empfindet er das als normalen Bestandteil seiner Selbstständigkeit.
Erst als er bemerkt, dass er selbst an freien Tagen kaum noch abschalten kann, beginnt er seine Situation genauer zu betrachten. Dabei wird sichtbar, dass nicht eine einzelne Aufgabe das Problem darstellt. Es ist die Summe aus Verantwortung, ständiger gedanklicher Präsenz und fehlenden Zeiten, in denen er sich wirklich nicht zuständig fühlt.
Reflexionsimpulse:
• Was genau erzeugt momentan den größten Stress in meiner Arbeit?
• Welche Belastungen treten nur zeitweise auf und welche sind dauerhaft geworden?
• Wann endet mein Arbeitstag tatsächlich und wann nur offiziell?
• Welche beruflichen Themen nehme ich regelmäßig mit in meine Freizeit?
• Wo habe ich Einfluss auf meine Belastung und wo liegen die Ursachen in den Rahmenbedingungen?
• Welche Aufgaben oder Verantwortlichkeiten könnte ich anders organisieren oder abgeben?
• Wie viel Raum bleibt in meinem Alltag, in dem ich mich für nichts Berufliches verantwortlich fühle?
• Woran würde ich merken, dass mein Verhältnis zur Arbeit wieder gesünder geworden ist?
Verwandte Begriffe:
→ Leistungsdruck
→ Selbstfürsorge
→ Burnout Prävention
→ Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz
