
Job Crafting
Definition:
Job Crafting beschreibt die bewusste und eigenständige Gestaltung der eigenen Arbeit. Dabei verändern Menschen einzelne Aspekte ihrer Aufgaben, ihrer Zusammenarbeit mit anderen oder ihrer persönlichen Sicht auf die Tätigkeit, damit die Arbeit besser zu den eigenen Stärken, Bedürfnissen und Vorstellungen passt.
Das Konzept stammt aus der Arbeitspsychologie und wurde insbesondere durch die Forscherinnen Amy Wrzesniewski und Jane Dutton geprägt.
Erklärung:
Arbeit wird häufig als etwas betrachtet, das durch Stellenbeschreibungen, Aufgaben und organisatorische Rahmenbedingungen weitgehend vorgegeben ist. Im tatsächlichen Arbeitsalltag gibt es jedoch oft mehr Gestaltungsspielraum, als zunächst sichtbar ist.
Menschen setzen unterschiedliche Schwerpunkte, organisieren Aufgaben auf ihre Weise, suchen häufiger den Kontakt zu bestimmten Personen oder entwickeln einzelne Tätigkeitsbereiche weiter. Genau an diesen kleinen Veränderungen setzt Job Crafting an.
Dabei geht es nicht zwangsläufig um einen neuen Arbeitsplatz oder eine grundlegende berufliche Veränderung. Manchmal verändert sich bereits viel, wenn genauer betrachtet wird, welche Tätigkeiten Energie geben, welche dauerhaft Kraft kosten und welche Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden Situation vorhanden sind.
Besonders interessant kann Job Crafting für Selbstständige und Unternehmer sein. Gerade die Selbstständigkeit beginnt häufig mit dem Wunsch nach Freiheit, Gestaltung und einer Tätigkeit, die den eigenen Vorstellungen entspricht.
Mit zunehmendem Erfolg können jedoch immer mehr Aufgaben hinzukommen. Administration, Personalthemen, Kundenanfragen, Organisation und wirtschaftliche Verantwortung nehmen Raum ein. Irgendwann besteht der eigene Arbeitstag möglicherweise überwiegend aus Tätigkeiten, für die man ursprünglich gar nicht selbstständig geworden ist.
Job Crafting kann dann eine Möglichkeit sein, die eigene Arbeit wieder bewusster zu betrachten und zu gestalten.
Wie es sich zeigen kann:
Vielleicht haben Sie Ihre berufliche Tätigkeit einmal mit viel Interesse begonnen und merken inzwischen, dass sich Ihr Arbeitsalltag stark verändert hat.
Sie verbringen immer mehr Zeit mit Aufgaben, die erledigt werden müssen, aber wenig mit den Tätigkeiten, die Ihnen eigentlich Freude machen oder bei denen Sie Ihre Stärken einsetzen können.
Es muss dabei gar keine grundsätzliche Unzufriedenheit bestehen.
Manchmal ist es eher dieses leise Gefühl, dass die eigene Arbeit irgendwann eine Richtung genommen hat, die man selbst nie bewusst gewählt hat.
Dann kann eine interessante Frage entstehen: Wenn ich meine heutige Tätigkeit noch einmal gestalten könnte, welche Aufgaben würde ich behalten, welche reduzieren und wofür würde ich wieder mehr Raum schaffen?
Drei Formen des Job Craftings:
Aufgaben gestalten
Aufgaben können innerhalb vorhandener Möglichkeiten anders verteilt, priorisiert oder organisiert werden. Vielleicht lassen sich bestimmte Tätigkeiten reduzieren, delegieren oder anders strukturieren.
Beziehungen gestalten
Auch die Art der Zusammenarbeit beeinflusst, wie Arbeit erlebt wird. Manche Kontakte geben Energie, andere kosten viel davon. Job Crafting betrachtet deshalb auch, wie berufliche Beziehungen bewusster gestaltet werden können.
Die eigene Perspektive verändern
Nicht jede Aufgabe lässt sich verändern. Manchmal kann jedoch die Bedeutung einer Tätigkeit anders betrachtet werden. Wer beispielsweise erkennt, welchen Beitrag die eigene Arbeit für andere leistet, erlebt einzelne Aufgaben möglicherweise in einem anderen Zusammenhang.
Beispiel aus dem Alltag:
Eine Selbstständige hat ihr Unternehmen gegründet, weil sie gerne mit Kunden arbeitet und eigene Ideen umsetzen wollte.
Mit den Jahren wächst das Unternehmen. Gleichzeitig verbringt sie immer mehr Zeit mit Organisation, Verwaltung und Abstimmungen. Für die eigentliche Arbeit mit ihren Kunden bleibt zunehmend weniger Raum.
Sie beginnt zunächst zu überlegen, ob sie grundsätzlich noch die richtige Tätigkeit ausübt.
Bei genauerer Betrachtung stellt sie fest, dass sie ihre Arbeit weiterhin gerne macht. Es ist vor allem die Zusammensetzung ihres Arbeitstages, die nicht mehr zu ihr passt.
Sie beginnt, bestimmte administrative Aufgaben abzugeben, bündelt organisatorische Tätigkeiten und schafft wieder feste Zeiten für die Arbeit, die ihr besonders wichtig ist.
Nicht ihr Beruf hat sich verändert. Sie hat begonnen, ihre Arbeit wieder bewusster zu gestalten.
Reflexionsimpulse:
• Welche Tätigkeiten geben mir Energie und welche kosten besonders viel?
• Welche Aufgaben nehmen heute mehr Raum ein, als ich eigentlich möchte?
• Welche meiner Stärken kommen in meiner aktuellen Arbeit zu wenig vor?
• Was kann ich tatsächlich verändern, ohne meine gesamte berufliche Situation infrage zu stellen?
• Welche Aufgaben könnte ich reduzieren, anders organisieren oder abgeben?
• Welche beruflichen Beziehungen tun mir gut?
• Was war mir ursprünglich an meiner Arbeit wichtig?
• Wie würde ich meinen Arbeitsalltag gestalten, wenn ich heute noch einmal neu beginnen könnte?
Verwandte Begriffe:
→ Arbeitsgestaltung
→ Selbstwirksamkeit
→ Ressourcenorientierung
→ Berufliche Neuorientierung
→ Selbstreflexion
→ Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz