Fehlerangst
Definition:
Fehlerangst beschreibt die ausgeprägte Sorge, etwas falsch zu machen, Erwartungen nicht zu erfüllen oder wegen eines Fehlers negativ bewertet zu werden. Sie kann dazu führen, dass Entscheidungen, Aufgaben oder neue Situationen mit erheblicher innerer Anspannung verbunden sind.
Erklärung:
Niemand macht gerne Fehler. Für manche Menschen bekommen Fehler jedoch eine besondere Bedeutung. Ein Fehler wird dann nicht nur als etwas betrachtet, das passiert und korrigiert werden kann, sondern berührt schnell die eigene Kompetenz oder den persönlichen Selbstwert.
Gedanken wie „Das darf mir nicht passieren“, „Was denken die anderen von mir?“ oder „Ich muss das unbedingt richtig machen“ können erheblichen Druck erzeugen.
Fehlerangst steht häufig in Verbindung mit hohen Ansprüchen an die eigene Person. Wer gelernt hat, Anerkennung stark über Leistung, Zuverlässigkeit oder gute Ergebnisse zu erhalten, erlebt Fehler möglicherweise schneller als persönliche Bedrohung.
Auch frühere Erfahrungen können eine Rolle spielen. Wurde auf Fehler häufig mit Kritik, Beschämung oder Ablehnung reagiert, kann sich die Erwartung entwickeln, dass Fehler grundsätzlich unangenehme Konsequenzen haben.
Unter Stress kann sich diese Angst verstärken. Gleichzeitig kostet der Versuch, Fehler unbedingt vermeiden zu wollen, zusätzliche Energie. Aufgaben werden mehrfach kontrolliert, Entscheidungen hinausgezögert oder Situationen vermieden, in denen das Ergebnis nicht vollständig vorhersehbar ist.
Wie es sich zeigen kann:
Vielleicht lesen Sie eine E Mail fünfmal, bevor Sie sie abschicken. Sie bereiten sich auf Gespräche länger vor, als eigentlich notwendig wäre, oder gehen nach einem Termin noch einmal gedanklich durch, ob Sie etwas Falsches gesagt haben könnten.
Von außen wirkt dieses Verhalten möglicherweise einfach sehr gewissenhaft.
Innerlich sieht es anders aus. Entscheidungen kosten viel Kraft, Kritik beschäftigt Sie lange und selbst kleine Fehler können das Gefühl auslösen, versagt zu haben.
Manchmal entsteht daraus ein hoher Anspruch an Kontrolle. Erst wenn möglichst wenig dem Zufall überlassen wird, fühlt sich eine Situation einigermaßen sicher an. Das kann kurzfristig beruhigen, langfristig jedoch erheblichen Druck erzeugen.
Typische Anzeichen:
• Übermäßiges Kontrollieren eigener Arbeit
• Starkes Bedürfnis, alles richtig zu machen
• Entscheidungen werden häufig hinausgezögert
• Intensive Vorbereitung auch auf alltägliche Situationen
• Starke Selbstkritik nach Fehlern
• Sorge vor negativer Bewertung
• Häufiges Rückversichern bei anderen
• Gedankliches Nachbereiten von Gesprächen oder Entscheidungen
• Vermeidung von Situationen mit ungewissem Ausgang
• Hoher innerer Leistungsdruck
Fehlerangst kann dazu führen, dass Menschen ihre Fähigkeiten weniger frei einsetzen, weil ein großer Teil ihrer Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist, mögliche Fehler zu verhindern.
Beispiel aus dem Alltag:
Ein Mitarbeiter soll eine Präsentation vor mehreren Personen halten. Obwohl er fachlich gut vorbereitet ist, beschäftigt ihn bereits Tage vorher die Sorge, eine Frage nicht beantworten zu können.
Er bereitet sich immer weiter vor und versucht, jede denkbare Frage vorwegzunehmen. Nach der Präsentation erhält er überwiegend positive Rückmeldungen. Trotzdem beschäftigt ihn am Abend vor allem eine Antwort, mit der er selbst nicht vollständig zufrieden war.
Die eigentliche Belastung entsteht damit weniger durch den Fehler selbst als durch die Bedeutung, die er ihm gibt.
Reflexionsimpulse:
• Was bedeutet es für mich persönlich, einen Fehler zu machen?
• Was befürchte ich, könnte passieren, wenn mir etwas misslingt?
• Wie lange beschäftigen mich eigene Fehler oder kritische Rückmeldungen?
• Welche Ansprüche stelle ich an mich, die ich an andere Menschen nicht stellen würde?
• Wo vermeide ich Situationen, weil ich nicht sicher sein kann, sie perfekt zu bewältigen?
• Wie würde sich mein Verhalten verändern, wenn ein Fehler für mich weniger bedrohlich wäre?
Verwandte Begriffe:
→ Perfektionismus
→ Versagensangst
→ Selbstwert
→ Leistungsdruck
→ Stress