Isolation
Definition:
Isolation beschreibt einen Zustand, in dem soziale Kontakte und das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen deutlich reduziert sind. Sie kann bewusst gewählt sein oder sich schleichend entwickeln. Dabei ist Isolation nicht dasselbe wie Alleinsein. Zeit für sich kann erholsam und wichtig sein. Belastend wird Rückzug häufig dann, wenn Verbundenheit fehlt, obwohl eigentlich ein Bedürfnis danach besteht.
Erklärung:
Menschen unterscheiden sich darin, wie viel Nähe und sozialen Austausch sie brauchen. Manche verbringen gerne viel Zeit mit anderen, andere benötigen regelmäßig Rückzug und Ruhe. Beides kann zum eigenen Wohlbefinden beitragen.
Isolation hat eine andere Qualität.
Sie kann entstehen, wenn soziale Kontakte über längere Zeit weniger werden oder das Gefühl entsteht, mit anderen Menschen kaum noch wirklich verbunden zu sein. Manchmal gibt es dafür einen konkreten Anlass, beispielsweise einen Umzug, eine Trennung, berufliche Veränderungen oder den Verlust wichtiger Beziehungen.
Häufig entwickelt sich Isolation jedoch leiser.
Wer sich erschöpft oder überfordert fühlt, sagt vielleicht häufiger Verabredungen ab. Ein freier Abend allein fühlt sich zunächst entlastender an als ein weiteres Gespräch oder Treffen. Mit der Zeit werden Einladungen seltener und es kostet zunehmend Überwindung, selbst Kontakt aufzunehmen.
Auch das Gefühl, mit den eigenen Gedanken oder Problemen niemanden belasten zu wollen, kann dazu führen, dass Menschen sich zurückziehen.
Dabei kann ein Kreislauf entstehen: Je länger der Rückzug anhält, desto ungewohnter kann soziale Nähe werden und desto größer erscheint manchmal die Hürde, wieder auf andere zuzugehen.
Wie es sich zeigen kann:
Vielleicht haben Sie irgendwann angefangen, häufiger abzusagen.
Zunächst gab es gute Gründe. Die Woche war anstrengend, Sie brauchten Ruhe oder hatten einfach keine Energie für Gesellschaft.
Irgendwann fällt Ihnen auf, dass das Telefon seltener klingelt. Andere Menschen fragen weniger häufig nach einem Treffen, weil sie sich daran gewöhnt haben, dass Sie oft nicht dabei sind.
Gleichzeitig vermissen Sie vielleicht Nähe und Austausch.
Dann entsteht eine widersprüchliche Situation: Sie wünschen sich Kontakt und ziehen sich trotzdem zurück. Der Gedanke, sich wieder zu melden, fühlt sich plötzlich größer an, als er eigentlich sein müsste.
Gerade an diesem Punkt kann es interessant sein, den eigenen Rückzug nicht vorschnell zu bewerten, sondern zu betrachten, welche Funktion er ursprünglich hatte und ob er heute noch guttut.
Woran sich zunehmende Isolation zeigen kann:
• Soziale Kontakte werden immer seltener
• Verabredungen werden häufig abgesagt
• Kontaktaufnahme kostet zunehmend Überwindung
• Rückzug wird zur bevorzugten Reaktion auf Belastung
• Gefühl, mit den eigenen Problemen niemanden belasten zu wollen
• Weniger Interesse an gemeinsamen Aktivitäten
• Gefühl, von anderen Menschen nicht wirklich verstanden zu werden
• Einsamkeit trotz vorhandener Kontakte
• Alltag findet zunehmend allein statt
• Wunsch nach Nähe und gleichzeitiges Bedürfnis nach Rückzug
Rückzug kann zeitweise sehr hilfreich sein. Er gibt Raum, Eindrücke zu verarbeiten und wieder zu Kräften zu kommen. Deshalb lohnt sich weniger die Frage, wie viel Zeit jemand allein verbringt, sondern vielmehr, wie diese Zeit erlebt wird.
Beispiel aus dem Alltag:
Eine Frau hat nach einer belastenden Zeit begonnen, ihre Wochenenden möglichst ruhig zu verbringen. Treffen mit Freunden sagt sie häufiger ab, weil sie sich nach einer anstrengenden Woche erschöpft fühlt.
Anfangs tut ihr diese Ruhe gut.
Nach einigen Monaten bemerkt sie jedoch, dass sie sich zunehmend einsam fühlt. Gleichzeitig fällt es ihr schwerer, selbst ein Treffen vorzuschlagen.
Sie beginnt zu erkennen, dass ihr Rückzug ursprünglich der Erholung gedient hat, inzwischen aber etwas anderes entstanden ist. Sie vermisst Verbindung und möchte wieder mehr Raum dafür schaffen.
Der erste Schritt besteht für sie nicht darin, plötzlich wieder einen vollen Terminkalender zu haben. Sie nimmt zunächst Kontakt zu einer Person auf, bei der sie sich wohl und wenig unter Druck fühlt.
Reflexionsimpulse:
• Fühlt sich mein Alleinsein momentan erholsam oder einsam an?
• Hat sich mein Bedürfnis nach sozialen Kontakten in letzter Zeit verändert?
• Welche Kontakte tun mir wirklich gut?
• Ziehe ich mich zurück, weil ich Ruhe brauche oder weil mir Kontakt gerade schwerfällt?
• Gibt es Menschen, zu denen ich gerne wieder mehr Verbindung hätte?
• Was hält mich davon ab, selbst Kontakt aufzunehmen?
• Welche Form von Begegnung würde sich momentan angenehm und nicht überfordernd anfühlen?
Verwandte Begriffe:
→ Einsamkeit
→ Rückzug
→ Selbstfürsorge
→ Verbundenheit
→ Soziale Beziehungen
→ Mentale Gesundheit
