Hilflosigkeit


Definition:

Hilflosigkeit beschreibt das Erleben, einer schwierigen oder belastenden Situation wenig entgegensetzen zu können. Betroffene haben das Gefühl, kaum Einfluss auf das Geschehen zu haben oder trotz eigener Bemühungen keine Veränderung erreichen zu können. Vorübergehende Hilflosigkeit ist eine normale menschliche Reaktion. Hält dieses Erleben länger an, kann es das psychische Wohlbefinden und das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit beeinträchtigen.

Erklärung:

Es gibt Situationen im Leben, in denen wir tatsächlich nur begrenzten Einfluss haben. Eine Erkrankung, eine Trennung, finanzielle Sorgen, Konflikte oder Veränderungen, die andere Menschen entscheiden, können das Gefühl auslösen, einer Situation ausgeliefert zu sein.

Hilflosigkeit entsteht dabei häufig dort, wo wiederholte Versuche, etwas zu verändern, erfolglos bleiben. Mit der Zeit kann die Erwartung entstehen, dass das eigene Handeln ohnehin keinen Unterschied macht.

In der Psychologie ist in diesem Zusammenhang das Konzept der erlernten Hilflosigkeit bekannt. Es geht auf Forschungen von Martin Seligman und Steven Maier zurück und beschreibt vereinfacht, wie wiederholt erlebte Unkontrollierbarkeit dazu führen kann, dass Menschen auch später weniger versuchen, Einfluss auf eine Situation zu nehmen.

Im Alltag zeigt sich Hilflosigkeit allerdings selten so eindeutig. Häufig entsteht sie schleichend. Ein Mensch probiert verschiedene Lösungen aus, erlebt immer wieder Enttäuschungen und zieht irgendwann den Schluss, dass sich vermutlich ohnehin nichts ändern lässt.

Damit kann sich auch die Wahrnehmung des eigenen Handlungsspielraums verändern. Möglichkeiten, die grundsätzlich noch vorhanden wären, werden weniger gesehen oder erscheinen nicht mehr erfolgversprechend.

Ein wichtiger Gegenpol zur Hilflosigkeit ist deshalb die Selbstwirksamkeit, also die Erfahrung, durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können.

Wie es sich zeigen kann:

Vielleicht kennen Sie eine Situation, über die Sie schon häufig nachgedacht haben. Sie haben verschiedene Dinge versucht, Gespräche geführt oder Entscheidungen abgewogen und trotzdem scheint sich wenig zu verändern.

Irgendwann verändert sich möglicherweise auch die innere Haltung.

Aus „Was könnte ich noch tun?“ wird langsam „Es bringt sowieso nichts.“

Man zieht sich zurück, vermeidet weitere Versuche oder wartet darauf, dass sich die Situation von außen verändert. Gleichzeitig kann genau dieser Rückzug das Gefühl verstärken, keinen Einfluss mehr zu haben.

Hilfreich kann dann sein, die Situation differenzierter zu betrachten. Nicht alles lässt sich beeinflussen. Meist ist jedoch auch nicht alles vollkommen unbeeinflussbar.

Zwischen diesen beiden Polen liegt häufig ein kleinerer Handlungsspielraum, der unter Belastung leicht aus dem Blick geraten kann.

Typische Anzeichen:

• Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein

• Eindruck, selbst wenig verändern zu können

• Nachlassende Initiative

• Rückzug und Passivität

• Gedanken wie „Es bringt sowieso nichts“

• Schwierigkeiten, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen

• Resignation nach wiederholten Enttäuschungen

• Zunehmende Selbstzweifel

• Gefühl von Kontrollverlust

Hilflosigkeit sagt dabei nicht zwangsläufig etwas darüber aus, wie viele Möglichkeiten objektiv vorhanden sind. Sie beschreibt zunächst das subjektive Erleben einer Situation. Gerade unter hoher emotionaler Belastung kann der eigene Handlungsspielraum kleiner erscheinen, als er tatsächlich ist.

Beispiel aus dem Alltag:

Eine Frau befindet sich seit längerer Zeit in einer für sie unbefriedigenden Lebenssituation. Sie hat mehrfach versucht, Veränderungen anzustoßen, erlebt jedoch immer wieder Rückschläge.

Mit der Zeit beschäftigt sie sich kaum noch mit möglichen Alternativen. Wenn Freunde Vorschläge machen, denkt sie unmittelbar an Gründe, weshalb auch diese vermutlich nicht funktionieren werden.

In einem Gespräch beginnt sie, ihre Situation anders zu sortieren. Welche Bedingungen kann sie tatsächlich nicht verändern? Wo ist sie von Entscheidungen anderer abhängig? Und an welchen kleinen Stellen besitzt sie weiterhin Einfluss?

Die äußere Situation verändert sich dadurch zunächst kaum. Ihr Blick auf die eigenen Handlungsmöglichkeiten jedoch schon.

Reflexionsimpulse:

• In welchem Bereich meines Lebens fühle ich mich momentan besonders hilflos?

• Was habe ich bereits versucht zu verändern?

• Was liegt tatsächlich außerhalb meines Einflusses?

• Welche kleinen Bereiche kann ich dennoch selbst gestalten?

• Wo habe ich möglicherweise aufgehört, nach Möglichkeiten zu suchen, weil frühere Versuche nicht funktioniert haben?

• Wann habe ich zuletzt erlebt, dass mein eigenes Handeln etwas verändert hat?

• Was wäre ein kleiner Schritt, bei dem ich wieder Einfluss auf meine Situation erleben könnte?

Verwandte Begriffe:

→ Selbstwirksamkeit

→ Kontrollverlust

→ Resignation

→ Überforderung

→ Emotionale Belastung

→ Selbstreflexion

→ Ressourcenorientierung

→ Resilienz

→ Mentale Gesundheit