Berufliche Überforderung 

Definition:

Berufliche Überforderung beschreibt das subjektive Erleben, den Anforderungen der eigenen Arbeit mit den aktuell verfügbaren Fähigkeiten, Ressourcen oder zeitlichen Möglichkeiten nicht ausreichend gerecht werden zu können. Sie kann vorübergehend auftreten oder sich bei anhaltender Belastung zu einem dauerhaften Zustand entwickeln.

Erklärung:

Berufliche Überforderung kann entstehen, wenn Arbeitsmenge, Verantwortung oder Komplexität dauerhaft zunehmen, ohne dass entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen. Auch unklare Erwartungen, häufig wechselnde Prioritäten, Konflikte oder fehlende Unterstützung können dazu beitragen.

Überforderung hat jedoch nicht ausschließlich äußere Ursachen. Eigene Leistungsansprüche, Perfektionismus, Schwierigkeiten beim Abgrenzen oder die Angst, andere zu enttäuschen, können das Belastungserleben zusätzlich verstärken.

Häufig entwickelt sich daraus ein Kreislauf: Betroffene erleben, dass sie ihren Aufgaben nicht mehr gerecht werden, investieren noch mehr Zeit und Energie und verzichten zunehmend auf Erholung. Gleichzeitig sinken durch die anhaltende Belastung Konzentration und Leistungsfähigkeit. Dadurch entsteht mitunter der Eindruck, sich noch stärker anstrengen zu müssen.

Berufliche Überforderung kann auch Selbstzweifel auslösen. Gerade leistungsorientierte Menschen interpretieren Schwierigkeiten häufig zunächst als persönliches Versagen, obwohl Arbeitsbedingungen und Ressourcen einen erheblichen Anteil an der Situation haben können.

Typische Merkmale:

• Gefühl, die Arbeit nicht mehr bewältigen zu können

• Ständiger Zeit und Leistungsdruck

• Schwierigkeiten bei Priorisierung und Entscheidungen

• Konzentrationsprobleme und zunehmende Fehler

• Selbstzweifel und Versagensängste

• Arbeiten über die eigenen Grenzen hinaus

• Schwierigkeiten beim Abschalten

• Emotionale und körperliche Erschöpfung

Hält berufliche Überforderung über längere Zeit an, sollte sie ernst genommen werden. Neben persönlichen Bewältigungsstrategien lohnt sich immer auch ein Blick auf Arbeitsorganisation, Verantwortlichkeiten und strukturelle Belastungsfaktoren.

Beispiel aus der Praxis:

Ein Mitarbeiter übernimmt eine neue Position mit deutlich mehr Verantwortung. Obwohl die Einarbeitung knapp ausfällt, erwartet er von sich, von Beginn an sämtliche Aufgaben souverän zu beherrschen. Fehler beschäftigen ihn lange und er arbeitet zunehmend abends, um nichts liegen zu lassen. In der Beratung werden sowohl die äußeren Anforderungen als auch seine eigenen Erwartungen betrachtet. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, Unterstützung einzufordern, Prioritäten zu setzen und seinen Anspruch an sich selbst realistischer zu gestalten.

Reflexionsimpulse:

• Was genau empfinde ich momentan als überfordernd?

• Welche Anforderungen kommen von außen und welche stelle ich selbst an mich?

• Wo versuche ich, Erwartungen zu erfüllen, die möglicherweise unrealistisch sind?

• Welche Unterstützung könnte ich einfordern?

• Was würde ich einer anderen Person empfehlen, die sich in meiner Situation befindet?

Verwandte Begriffe:

→ Arbeitsüberlastung

→ Beruflicher Stress

→ Belastungsgrenze

→ Versagensangst

→ Perfektionismus

→ Burnout

→ Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz

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